He is diplomatic, fair and a fighter for justice. Even back in school, he always stood up for the underdog. So, the fact that his path would lead him to the police force came as no real surprise—even though the circumstances that provided the actual impetus for it could not have been more tragic. Driven by his strong sense of justice and what happened to his sister, it is not uncommon for him to stretch the rules—and then some—in certain cases. Seit Generationen hat die Familie Riorson es sich zur Tradition gemacht, dem Vaterland zu dienen. Wenn man den familieneigenen Chroniken Glauben schenken darf, geht diese Tradition sogar bis zum amerikanischen Bürgerkrieg zurück. Seitdem hat in jedem Krieg, den die USA jemals geführt haben, mindestens ein Riorson-Mann gedient – ganz egal ob bei der Army, der Navy, den Marines, den Seals oder als Pilot bei der Air Force. Sie tun es aus patriotischer Pflicht und dienen mit Überzeugung und Hingabe, so dass sich irgendwann der familieneigene Insider etablierte, dass es ihnen wohl einfach in den Genen liegen musste und so hat seit vielen Jahrzehnten nun jeder Riorson-Mann sehr erfolgreich eine militärische Karriere verfolgt. Und das nicht, um auf legalem Weg Menschen zu töten oder mit Waffen rumzuballern. Sie wollen die Menschen in ihrem Land und das Land selbst beschützen. Dass dieses Unterfangen durchaus seine Tücken hat und nicht immer alles so schwarz und weiß ist, ist ihnen bewusst, aber ein Umstand, den sie in Kauf nehmen. Irgendwer muss es schließlich tun. «Ich hab Angst, Kiki. Er wird mich umbringen. Ich weiß es.» Makennas Stimme war leise, fast schon flüsternd, dennoch war die Panik ganz klar herauszuhören. Im Hintergrund hörte man undefinierbares Gepolter, Jonathan, der unentwegt gegen Maks Tür hämmerte, und gedämpftes Brüllen. Es war nicht das erste Mal, dass der Ex-Freund seiner Schwester gegen das Kontaktverbot und die Schutzanordnung verstieß. Nichts hatte ihn bisher davon abgehalten, Makenna immer wieder dutzende Nachrichten zu schicken. Sie zu den unmöglichsten Tageszeiten anzurufen oder ihr sogar aufzulauern. All das und die Polizei tat trotzdem nichts. Hatten denn all die anderen Fälle in den vergangenen Jahren nicht schon gezeigt, dass ein solcher Fall keine Lappalie war und nicht selten mit dem Tod des Opfers endete? Und immer fragten sich dann alle, wie es nur so weit hatte kommen können… Es wäre einfach gewesen, sich von dieser Tragödie verschlingen zu lassen. Den dunkelsten Abgründen nachzugeben, von denen Kieran nicht leugnen konnte, dass sie ihn in den ersten Wochen und Monaten ständig begleiteten. Doch anstatt sich der Trauer ungehemmt hinzugeben, wandelte er den Schmerz in etwas produktiveres um, denn die Pläne für seine Zukunft hatten sich an diesem Tag grundlegend geändert – er wollte zur Polizei. Weiterhin Menschen helfen, aber auf ganz anderem Weg als noch zuvor. Wesentlich direkter. Nach vier Jahren aktivem Dienst bei den Marines entschied er sich also gegen eine weitere militärische Laufbahn und ging in die inaktive Reserve. Bevor er sich schließlich bei der Washingtoner Metropolitan Police bewarb, gönnte er sich jedoch einen kleinen Urlaub und begann im Anschluss seine Ausbildung zum Cop. Der Mord an seiner Schwester und die Umstände, die erst dazu geführt hatten, hatten ihn ein wenig zynisch werden lassen und dann und wann blitzte dies auch in seiner Ausbildung auf. Er kannte die Schwächen des Systems und wie sie nur allzu oft die Schwächsten einfach im Stich ließen – entweder ganz bewusst oder eben aus schierer Überforderung. Doch er brannte für seinen neuen Job und fiel immer wieder durch seinen absoluten Willen und seine manchmal fast schon manische Disziplin auf. Das Gesuch ist zwar nun nach dem Designwechsel nicht mehr online, aber ich denke, dass das noch jeder aufem Schirm hat. — Erst einmal: was für ein geiles neues Design! 😍 Kudos an die Grafik-Fee. ❤ Da hat sich das Warten wirklich gelohnt. Und da ich mich nun dagegen entschieden habe, in meinem alten Thread noch einmal zu schreiben, noch eine kurze Nachricht an @Juliette Céleste Vauclair 𑁋 ich hab dich gesehen und bin mir sicher, dass wir uns irgendwann in der Zukunft ebenfalls kennenlernen werden. So und nun würde ich gern in mein neues Zuhause einziehen, bitte. Ich hab auch Kekse dabei, gekaufte zwar, aber ich versichere, dass sie zum Niederknien sind. 🤗
Kieran
He is a true family man. His family and close friends are his safety net—the people he can always rely on and who keep him grounded.
He is a good listener and often acts as the "therapist"—whether for his family, friends, or colleagues. He has an incredible intuitive sense for the person he is with, yet he never imposes himself. If the situation simply calls for listening, that is what he does; if advice or a solution is needed, he has that ready, too.
Auch Niall Riorson, zukünftiger Vater unseres späteren Protagonisten, folgte dem Vorbild seines Großvaters, Vaters, Onkels, seines älteren Bruders und seiner Cousins und ließ gar keinen Zweifel daran, dass auch er die Familientradition weiterführen würde. Wie sein Vater und sein Großvater, wollte er Pilot werden, was ihm auch schließlich gelang. Noch während seiner Ausbildung traf er seine große Liebe Julia, die ebenfalls aus einer Army-Familie entstammte und sich somit absolut im Klaren darüber war, worauf sie sich einlassen würde, wenn sie Niall heiratete, was die beiden auch recht jung taten. Nur zwei Jahre nach ihrer Hochzeit war bereits ihr erstes Kind unterwegs und das zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, immerhin steckten Niall und Julia gerade bis zum Hals in Umzugsvorbereitungen: Man hatte Niall auf die Clark Air Base auf den Philippinen versetzt und dort kam dann schließlich 1984 auch Declan Riorson als erster Sohn des jungen Ehepaares auf die Welt. Weitere zwei Jahre später folgte ihre Tochter Makenna.
Im Grunde könnte unsere Geschichte bereits hier enden, wenn es denn nach Niall und Julia gegangen wäre, die mit zwei Kindern, immerhin einem Jungen und einem Mädchen, mehr als zufrieden waren. Doch das Schicksal wollte es, dass Julia noch ein drittes Mal schwanger wurde. Vollkommen ungeplant und wieder einmal mitten im Umzugsstress. Dieses Mal lautete der Befehl für Niall: Ramstein Air Base, Deutschland. Und dort erblickte dann am frühen Morgen des 10. Oktobers 1988 gegen 05:43 Uhr Kieran Riorson das Licht der Welt.
Doch bewusst kann sich Kier, wie er im Grunde von allem immer nur gerufen wurde, wenn er nicht gerade was ausgefressen hatte, nicht an seine ersten Lebensjahre in Deutschland erinnern. Es existieren zwar dutzende Fotos und Homevideos, doch das war es dann auch schon. Auch sollte er nicht, wie seine älteren Geschwister, die Sprache lernen, was sie später nur zu gern gegen ihn ausnutzten. Bereits 1991 zog die Familie erneut um. Das Ziel? Die Yokota Air Base in Japan. Und das sollte nun für die nächsten 12 Jahre ihr zu Hause sein.
Hier verbrachte Kier die prägenden Jahre seiner Kindheit und Jugend und verliebte sich mit der Zeit auch in die fernöstliche Kultur, das Land, seine Geschichte und dessen Einwohner. Denn auch wenn die Riorson-Kinder die meiste Zeit in der dem Stützpunkt angeschlossenen Wohnsiedlung für Angehörige des Militärpersonals verbrachten und dort auch die Schule besuchten, so ließ es sich Julia nicht nehmen so oft wie nur irgend möglich Ausflüge ins Landesinnere mit ihren Kindern zu unternehmen, um ihnen auf diesem Wege das Land näher zu bringen, das zumindest für eine große Zeitspanne ihr zu Hause und ihre Heimat war.
Kieran war schon immer ein wissbegieriges und quirliges Kind gewesen, das man an manchen Tagen nur sehr schwer bändigen konnte. Wenn er sich jedoch auf etwas fokussierte, war er mit voller Konzentration und Hingabe dabei. So baute er schon in jungen Jahren Modellflugzeuge, denn wie sein Vater teilte er schon früh die Liebe zum Fliegen. Immer wieder fragte er seinen Vater nach all den verschiedenen Flugzeug- und Jet Typen aus und konnte die wichtigsten Spezifikationen dazu später im Schlaf rezitieren und die unterschiedlichen Flugzeuge schon beinah am Geräusch auseinanderhalten. Schließlich lag er dann auch seiner Mutter so lange quengelnd und bettelnd in den Ohren, bis sie seinem Dad dann auch erlaubte ihn zu seinem ersten Flug mitzunehmen. Natürlich nicht in einem Jet der Air Force – es war dann doch nur eine ausrangierte P-51 Mustang, die auf dem Stützpunkt stand, aber wäre Kier nicht vorher schon vom Fliegen besessen gewesen, so wäre es spätestens in diesem Moment um ihn geschehen. Die Welt so von oben zu sehen, war für ihn wie ein Rausch, der viel zu schnell endete. Wie musste es dann erst in einem Kampfjet sein? Von diesem Tag an ging er jeden Abend mit dem Wunsch ins Bett, ganz schnell groß zu werden. Er wollte selbst fliegen und das so schnell wie möglich. Als er schließlich alt genug war, machte er dann auch seinen Pilotenschein und war kaum noch aus dem Cockpit herauszubekommen. Man könnte meinen, dass sich mit dieser Faszination bereits seine spätere Laufbahn abzeichnete, aber entgegen dem so Offensichtlichem blieb das Fliegen nur eine Leidenschaft, die Kier nicht zu seinem Beruf machen wollte.
Seine andere große Leidenschaft hatte er wohl von seiner Mutter in die Wiege gelegt bekommen und das war die Musik. Von Julia lernte er in jungen Jahren das Klavier und Gitarre spielen. Als Teenager kam dann noch das Schlagzeug dazu, dass er in der Schulband spielte.
Wenn man mit zwei älteren Geschwistern aufwächst, die sich dazu auch noch gern mal gegen einen verbünden und hierfür nur allzu oft ins deutsche wechselten, lernt man schnell sich durchzusetzen und sich auch das ein oder andere abzugucken. So dürfte es dann auch nicht weiter verwundern, dass der ‚kleinste‘ Riorson die größte Klappe und den trockensten Humor zu haben schien – sein Vater wurde nicht müde, zu behaupten, dass Kieran auch das von seiner Mutter geerbt haben musste. Doch auch wenn das Verhältnis der Geschwister eben auch manchmal von den so typischen Streitigkeiten und Neckereien geprägt war, so waren die Drei doch unzertrennlich und hielten zusammen, wenn es darauf ankam.
So zum Beispiel auch Anfang 2003, als Niall seiner Familie verkündete, dass sie Ende des Jahres Japan verlassen und nach so vielen Jahren endlich wieder in die Heimat ziehen würden. Julia war in diesem Fall wohl die Einzige, die sich darüber freute. Jedes ihrer Kinder hatte seine eigenen Gründe, warum ihnen der Umzug so gar nicht in den Kram passte und doch war es auch irgendwie immer derselbe: sie alle waren verliebt. Declan war seit gut einem Jahr mit einem japanischen Mädchen zusammen, Makenna schwärmte für einen Jungen aus ihrer Klasse, der nur noch erkennen musste, wie großartig sie war und auch Kieran hatte gerade erst ein Auge auf ein Mädchen geworfen, das nicht abgeneigt zu sein schien und nun sollten sie alle drei eben das hinter sich lassen? Für die Riorson-Geschwister die reinste Katastrophe und wieder einmal ein Grund, an einem Strang zu ziehen und einen Aufstand zu proben. Im Hause Riorson herrschte grundsätzlich eine liebevolle Strenge und ausgeprägte Streitkultur, was bei einer Familie dieser Größe und dazu auch noch mit drei Teenagern eben nicht ausblieb. Und so verlief dann auch die leicht hitzige Diskussion zwischen Eltern und Kindern. Immerhin ginge es hier nicht um unwichtige Liebeleien, die sowieso niemals ein Leben lang halten würden, sondern um die Pflicht, dem Vaterland zu dienen und ein Befehl war eben ein Befehl und als guter Soldat hatte man diesem auch Folge zu leisten, sprach Vater Niall schließlich ein Machtwort. Der im Anschluss fast vier Tage durchgezogene Hungerstreik der Geschwister änderte ebenfalls nichts an der Entscheidung.
Und so stand Kieran Ende November 2003 in seinem neuen Zimmer in seiner neuen, alten Heimat in Maryland auf der Andrews Air Base. Amerika war bis dahin immer nur ein Reiseziel gewesen, wenn sie zu Feiertagen die restliche Familie besuchten und dass auch immer nur für wenige Tage. So fühlte es sich dann in den ersten Wochen auch wie ein kleiner Kulturschock an – alles schien so übertrieben, bunt, groß und laut. Es dauerte eine Weile, bis sich das ‚Heimweh‘ nach Japan legte. Doch schließlich lebte sich Kier ein, dem man nicht selten das typisch amerikanische Sunnyboy-Image nachsagte und auch in seiner neuen Schule kam er mit allen gut zurecht und gehörte immer mit zu den guten Schülern – seine Zukunft immer im Blick. Dennoch war er eben auch der Sohn seiner Mutter und es gewohnt, sich nicht unterkriegen zu lassen und so konnte er sich selten einen sarkastischen Kommentar oder trockenen Scherz verkneifen. Da machte es dann auch keinen Unterschied, ob ein Mitschüler oder Lehrer vor ihm stand.
Kaum, dass er seinen High School Abschluss dann in der Tasche hatte, zog es ihn nach Parris Island nach South Carolina, wo er die Grundausbildung für die Marines absolvierte. In den vergangenen Jahren hatte Kieran immer wieder mit sich gehadert, welche militärische Karriere er schlussendlich einschlagen würde. Letztlich waren es dann doch die Erzählungen seines Großvaters mütterlicherseits, der selbst bei den Marines gedient, die spezielle Ausbildung, die seinesgleichen suchen würde, und den Zusammenhalt der Kameraden immer wieder in den schillerndsten Farben gezeichnet hatte, die den entscheidenden Ausschlag gaben. Die Ausbildung war hart und trieb Kieran nicht selten bis an die Belastungsgrenze und darüber hinaus, doch er biss sich durch und hängte sich voll rein – immerhin galt es hier neben dem Erreichen seines persönlichen Traumes auch eine Familientradition zu ehren und zu vertreten.
Nach der Grundausbildung, an dessen Ende er sich fast schon sicher war, mittendrin irgendwann gestorben zu sein, setzte er seinen Weg innerhalb der Marines fort und kam schließlich zum Infantry Training Battalion an dessen Ende er als Reconnaissance Marine (Aufklärer) einer Einheit zugeteilt wurde.
Im Jahr 2010 befand Kieran sich gerade auf Urlaub bei seiner Familie in Washington, DC. Dass dieses Jahr alles für die Familie Riorson verändern würde, hätte sich niemand auch nur im Geringsten ausgemalt. Es war ein Anruf seiner Schwester Makenna, der alles ins Rollen brachte…
„Nein, das wird er nicht. Ich bin gleich da, Mak. Mach nur die Tür nicht auf. Ist die Polizei denn noch nicht da?“
«Nein, noch nicht. Er dreht vollkommen durch.»
Bei Maks Worten drückte Kieran das Gaspedal noch ein wenig weiter hinunter, doch ausgerechnet heute war der Washingtoner Verkehr einfach nur ein Alptraum.
„Ich bin so gut wie da. Alles wird gut,“ versicherte er seiner Schwester. Auch, wenn nicht ganz klar war, wen er damit eigentlich eher beruhigen wollte: sie oder sich selbst.
«Sagst du Mum und Dad, dass ich sie liebe?»
Kieran schlug auf das Lenkrad seines Chevys. „Lass das, hörst du?! Verabschiede dich nicht, Mak. Er wird dir nichts tun. Nicht heute, noch jemals.“
«Bitte, Kieran…»
Er schüttelte heftig mit dem Kopf und wollte ihr nicht antworten. Sie würde nicht sterben, das würde er nicht zulassen. Aber er wollte jetzt auch nicht mit ihr streiten und ehe er sich dann doch dazu durchringen konnte, ihr auf diese Bitte zu antworten, gab es einen lauten Knall und ein erschrockenes Aufschreien von Makenna, gefolgt von noch mehr undefinierbaren Gebrüll einer eindeutig männlichen Stimme. „Mak?!“ Keine Antwort. „MAKENNA?!?!“ Und dann war die Leitung tot. „Fuck, fuck, fuck…,“ wiederholte er immer wieder wie ein Mantra, während er bereits auf Wahlwiederholung gedrückt hatte und das monotone Tuten der Leitung seinen Herzschlag mit jedem verstreichenden Tut rasen ließ. Makenna ging nicht mehr an ihr Handy. Kieran war davon so abgelenkt, dass er beinah in seinen Vordermann reingefahren wäre, als dieser unvermittelt bremste und so auch ihn zu einem beherzten Bremsvorgang nötigte.
„FUUUCK!“ Schrie er in der Abgeschiedenheit seines Autos, fuhr sich fahrig durch die Haare, ehe seine Finger zitternd nun die 911 wählten. Wieder einmal zogen sich die Sekunden wie Stunden.
Er hatte in seiner Ausbildung bei den Marines gelernt, in jeder Situation einen kühlen Kopf zu bewahren. Rational zu denken, Lösungen für jedes Problem zu finden und sich nicht von seinen Emotionen mitreißen zu lassen. Doch irgendwie schien all dieses Wissen sich in diesem Moment verabschiedet zu haben. Das hier war so viel mehr.
Als er den Dispatcher schließlich am Telefon hatte und dieser nachfragte, was denn sein Notfall wäre, erklärte er die Situation dann doch überraschend nüchtern: seine Schwester war in Gefahr, sie fürchtete um ihr Leben, ihr Ex-Freund verstieß gegen das Kontaktverbot und die Schutzanordnung – mal wieder; ja, sie hatte bereits die Polizei gerufen, aber bisher war noch niemand vor Ort und nun war das Telefonat zwischen ihm und ihr abgebrochen und sie ging nicht mehr an ihr Telefon. Kieran gab erneut Makennas Adresse durch und gab mit sarkastischem Unterton noch den Tipp, zu dieser Streife auch gleich noch einen Krankenwagen mitzuschicken, ehe er dann auflegte. Kopfschüttelnd griff er beherzt in die Mitte seines Lenkrades, um die Hupe zu betätigen und seinem Vordermann mit eindeutigen Gesten zu vermitteln, was er von dessen Fahrkünsten hielt. Hatte sich heute die gesamte Menschheit zu allgemeiner Dummheit verschworen?
Zwölfeinhalb Minuten später kam er mit quietschenden Reifen vor dem Haus, in dem sich Maks Appartement befand, zum Stehen und scherrte sich nicht um Parkvorschriften, er fuhr halb auf den Bürgersteig. Von der Polizei war immer noch nichts zu sehen. Er sprang aus dem Wagen, schaffte es in das Treppenhaus und eilte die Stufen bis zu Maks Stockwerk in atemberaubender Geschwindigkeit hinauf. Was er tun würde, wenn er Jonathan gleich in die Finger bekam, hatte er noch überhaupt gar nicht bedacht, aber zuerst musste er zu Makenna. Musste schlimmeres verhindern. Als er vor ihrer Wohnung ankam, bemerkte er sofort die nur leicht angelehnte Tür. Und das verwischte Blut. Mit einem Mal wurde die Welt ganz still, alle Geräusche waren wie ausgeschaltet. Seine Augen starrten wie gebannt auf den roten Fleck. Sein Hirn weigerte sich zu realisieren, was das bedeutete oder bedeuten konnte. Wie in Zeitlupe stieß er langsam die Tür auf. „Mak?!“ Seine eigene Stimme hörte sich in seinen Ohren seltsam gedämpft an. Konnte sie ihn so überhaupt hören? Er betrat das Wohnzimmer und sein Blick blieb an dem umgeworfenen kleinen Tisch neben ihrem Sofa hängen. Scherben von dem zersprungenen Bilderrahmen, der einst ein Bild ihrer Familie ein Zuhause geboten hatte, wie Kieran nur zu gut wusste, lagen verstreut wie ein unvollständiges Mosaik. Es hatte einen Kampf gegeben. Gut. Er hoffte, dass sich Mak ordentlich gewehrt und Jonathan womöglich in die Flucht hatte schlagen können und sich nun irgendwo versteckte. Langsam trugen ihn seine Schritte weiter in den Flur, vorbei an Küche und Badezimmer, die unberührt wirkten. Er hörte sein Herz in seinen Ohren pochen, das Adrenalin schoss nur so durch seinen Körper. „Makenna?“ Er bekam noch immer keine Antwort. Er funktionierte wie auf Autopilot. Dass er vielleicht besser auf die Polizei warten sollte, war so ein abstrakter Gedanke, dass er in diesem Moment gar keinen Sinn machte und ihn weiter vorwärtstrieb. Wer konnte schon sagen, wann dein Freund und Helfer sich endlich mal die Mühe machen würde, hier aufzutauchen? Und Mak könnte verletzt sein und jetzt Hilfe brauchen! Nicht erst in weiteren zehn Minuten.
Nichts und Niemand hätte ihn darauf vorbereiten können, was er zu sehen bekam, als er das Schlafzimmer seiner Schwester betrat. Sein Gehirn wollte es gar nicht verarbeiten. Makenna lag verdreht und in einer Blutlache vor dem Fußende ihres Bettes – ein Messer schräg neben ihr. So viel Blut… Viel zu viel. Eine groteske Szene, die man aus Filmen, Serien und True Crime Dokumentationen kennt, von der man aber nie glaubt, sie einmal selbst erleben zu müssen. Diesen Anblick würde er wohl nie wieder vergessen. Egal, womit er bisher bei den Marines konfrontiert gewesen war oder in Zukunft noch konfrontiert werden würde, das hier war der wahre Horror. Der Stoff, aus dem seine Alpträume für eine lange Zeit bestehen würden.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, die in Wahrheit nur höchstens zwei Minuten lang war, machte er dann doch zaghafte Schritte auf Makenna zu. Ihre Augen blickten leer ins Nichts. Ohne auf irgendwas zu achten, sank er neben ihr auf die Knie. Seine Hände schwebten zittrig und fahrig über ihrem leblosen und geschundenen Körper – erst aus dem wenige Tage später vorliegenden Autopsiebericht würde er erfahren, dass es fünfunddreißig Messerstiche waren. Tränen, die er nicht einmal spürte, rannen ihm über die Wangen. Er war vollkommen überfordert. Sie war tot, Makenna war tot. Trotzdem legte er dann schließlich doch zwei Finger an ihren Hals und fühlte wirklich keinen Puls mehr. Seine Schwester, seine beste Freundin war tot, ausgelöscht. Ein herzzerreißender Schrei brach aus ihm heraus.
Dann wurde es hektisch in der Wohnung. Die Polizei war da – viel zu spät. Kieran war immer noch wie betäubt und reagierte zunächst gar nicht auf die Fragen der Polizisten, wer er sei, dass er ihnen seine Hände zeigen sollte. Er registrierte nicht einmal die Waffen, die auf ihn gerichtet waren. Er stand unter Schock. Ohne Gegenwehr ließ er sich von Mak wegziehen und wurde ins Wohnzimmer gebracht, wo sich dann nach Überprüfung für die Polizisten klärte, dass er der Bruder des Opfers war und selbst die Polizei gerufen hatte. Seine Antworten waren mechanisch, hohl, vielleicht nicht einmal zusammenhängend. Eine Sanitäterin kümmerte sich um ihn. Seine Schwester wurde noch am Tatort für tot erklärt. Ein lausiges Stück Papier hatte sie nicht beschützen können – wer hätte es gedacht? Sie würde niemals fünfundzwanzig werden, niemals heiraten, nie Kinder haben und das nur, weil ihr Ex-Freund die Trennung nicht akzeptieren wollte. Nicht akzeptieren konnte, dass ihr Leben ohne ihn hatte weitergehen sollen. Wie sollte Kieran das ihren Eltern beibringen? Er selbst konnte es ja kaum glauben. Er konnte sich später nicht einmal daran erinnern, dass er seinen älteren Bruder angerufen hatte, damit dieser ihn bei Makennas Wohnung abholte, da Kieran sich selbst nicht mehr in der Lage dazu sah, zu fahren. Am Telefon hatte er Declan nichts sagen wollen, doch kaum stand der ältere Riorson vor seinem jüngeren Bruder wusste auch dieser, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Es musste wohl das Blut an Kierans Sachen sein, dass ein unmissverständlicher Hinweis war. Aber Declan behielt wie durch ein Wunder die Fassung. Zumindest so lange, bis die zwei Brüder bei ihren Eltern ankamen und Kieran das Unaussprechliche in Worte fasste. Der Schrei seiner Mutter verfolgt ihn noch heute manchmal in seinen Träumen.
Jonathan wurde zwei Stunden später in seiner Wohnung verhaftet. Er leugnete nichts und gab den Mord an Makenna bereitwillig zu. Ein schwacher Trost, für das Leben, das er genommen hatte. Doch Jonathans Geständnis ersparte der Familie Riorson einen an den Nerven zerrenden Prozess, auch wenn sich die Riorson-Männer einig waren, dass man Jonathan nur fünf Minuten mit ihnen allein lassen sollte und er seine gerechte Strafe erhalten würde. Mit einer lebenslangen Haftstrafe ohne Aussicht auf Bewährung kam er in ihren Augen noch viel zu glimpflich davon. An diesem Tag änderte sich alles. Es blieb eine Lücke, die sich nie schließen ließ und Kieran auf seinen ganz eigenen Weg schickte.
Kurz vor dem Ende seiner Ausbildung begegnete Kieran auch einer Frau, in die er sich fast augenblicklich verliebte. Jennifer Connelly war zwei Jahre jünger als er und arbeitete als Lehrerin an einer Grundschule. Nach wenigen Wochen waren die Zwei ein Paar und bereits nach zwei Jahren läuteten die Hochzeitsglocken. Doch die Familienplanung rückte für Kieran hinter seinem Job, in dem er mehr als ehrgeizig war und immer weiter aufsteigen wollte, schnell an zweite Stelle. Anfänglich sah Jennifer über diesen Punkt noch großzügig hinweg, denn sie war sich sicher, dass sie und Kier trotzdem irgendwann eigene Kinder haben würden. Doch die Jahre vergingen und dieses Thema wurde immer wieder zentraler Punkt ihrer unterschiedlichen Sichtweisen und diverser Streitgespräche.
Im Jahr 2018 zog es das Paar nach Chicago, da Jennifer ein Jobangebot an einer der renommiertesten Schulen der Stadt ergattern konnte. Kieran hingegen kam beim Chicagoer Police Department unter, wo er sich erneut unter Beweis stellen musste, was wiederum erneut Einfluss auf sein Eheleben hatte, denn mittlerweile hatte er ein festes Ziel, das er erreichen wollte. Er wollte zur Mordkommission und so rückte sein Privatleben wieder einmal in den Hintergrund. Anfänglich versuchte sich Jennifer weiterhin damit zu arrangieren, aber nachdem immer klarer wurde, dass Kinder für Kieran auch in naher Zukunft kein Thema sein würden, trennte sie sich 2020 letztendlich doch von ihm. Die Scheidung wurde ein Jahr später vollzogen.
Kieran selbst würde rückblickend wohl immer darauf beharren, dass sich seine Hartnäckigkeit und seine Sturheit in Bezug auf seinen Job mittlerweile mehr als ausgezahlt haben. Immerhin konnte er vor zwei Jahren die Beförderung zum Homicide Detective feiern. In ruhigeren Momenten ist ihm durchaus bewusst, was er für seinen Job alles geopfert hat und nicht selten muss er sich auf den obligatorischen Familienfeiern den ein oder anderen Spruch dafür gefallen lassen, dass beispielsweise sein älterer Bruder Declan es selbst mit hochdekorierter Army-Laufbahn auf die Kette bekommen hatte, eine Familie zu gründen. Und es ist nicht so, dass Kier wie ein zölibatärer Mönch leben würde, doch alle Beziehungen, die er seit seiner Scheidung versucht hatte zu führen, scheiterten eben doch über kurz oder lang. Vielleicht ist ihm die richtige Frau bisher auch einfach nur noch nicht begegnet – das zumindest antwortet er seiner Mutter immer wieder, wenn sie ihn bei ihren regelmäßigen Telefonaten in den Ohren liegt und mittlerweile auch nicht mehr durch die Blume fragt, ob sie von ihrem Jüngsten doch noch Enkel erwarten könne. Für Kieran zählt seit Jahren jedoch vorrangig sein Job, der ihm wichtiger ist, als seine eigene ‚Blutlinie‘ zu etablieren.
Wir haben bereits alles geklärt und ReyRey hat alles abgesegnet.
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