- //vom englischen ins deutsche übersetzt, it sounds horrible but i swear I’m a good write 😭 Sol Isabel Rios war in einer kleinen Wohnung aufgewachsen, die nach unten zur Straße lag und im Sommer zu warm war und im Winter zu laut, weil die Rohre in den Wänden arbeiteten, als hätten sie selbst etwas zu sagen. Es gab ein Klavier, das eigentlich nicht in so eine Wohnung gehörte, und eine Mutter, die zwei Schichten schob und trotzdem abends die Hände wusch, den Geruch von Arbeit von den Fingern rieb und Sol zu sich auf die Bank zog. Liebe sah bei ihnen selten nach Film aus. Liebe war Yolanda, die trotz Müdigkeit noch zuhörte, Milchreis kochte, der unten leicht angebrannt war, und sagte: Üb weiter, mi vida, als wäre das genug, um den nächsten Tag zu tragen. Es gab keine großen Sonntagsfrühstücke und keine weichen Rituale, die man später auf Fotos hätte zeigen können, aber es gab Musik, und sobald Yolanda spielte, wurde der Raum für ein paar Minuten größer. — Well let’s start with: Bandmembers, Arbeitskolleg:innen, Freunden oder besser best friends. — thanks for reading until now 👀
Sol
Sols erste Erinnerung war kein Fest und kein Geschenk, sondern Licht auf den Tasten und ihre Mutter am Fenster, während draußen irgendwo ein Auto vorbeifuhr und die Scheiben ganz leicht zitterten. Das Instrument war dunkel und schwer und zuerst verboten, später dann das Einzige, das Sol nach der Schule wollte. Die Kleinstadt um sie herum war nicht besonders hässlich und nicht besonders schön, sie war einfach ein Ort, an dem man blieb, weil man nirgendwohin weiterfuhr. Yolanda nannte Sol manchmal ein kluges Ding, und selbst das klang nicht überschwänglich, eher wie etwas, das sie sich gerade noch leisten konnte. Yolanda selbst war als Mädchen auf einer privaten Musikschule gewesen und hatte fast ganz oben gestanden, bis sie mit achtzehn schwanger wurde und der Vater ging, bevor Sol seinen Namen richtig schreiben konnte. Als Sol später nicht mehr aufhörte zu fragen, bekam sie ein altes Klassenfoto in die Hand gedrückt und den Satz, dass es dazu nichts weiter zu erzählen gebe. Den Rest hat sie sich nachts selbst zusammengebaut: einen Vater, der blieb, einen Vater, der irgendwann vor dem Haus hielt und sie mitnahm, nichts davon ist passiert und trotzdem war sie glücklich.
Nach der Schule flog die Tasche in die Ecke und Sol setzte sich an das Klavier, als gäbe es in der Wohnung nichts Wichtigeres. Ein Tutor kam, der nicht teuer war und trotzdem streng blieb und ihr sagte, Talent allein reiche nicht. Sol wusste das und hat trotzdem geübt, Stunde um Stunde, bis die Fingerkuppen warm wurden und kleine Auftritte sich größer anfühlten, als sie waren. Es war schon und dann saß eines Nachmittags ein Mann auf der Couch, der nicht in ihre Wohnung passte. Mike lächelte zu breit, stellte sich vor, als wäre sein Name bereits eine Erklärung, und bewegte sich durch den Raum, als prüfe er schon, was ihm gehören könnte. Yolanda wollte, dass die zwei sich arrangierten. Sol wollte ihre Mutter nicht teilen. Kurze Zeit später lag ein Ring an Yolandas Hand, und wieder etwas später standen sie in einem Haus, das zu groß war für das Leben, das Sol kannte. Als Yolanda krank wurde, nicht lebensgefährlich, aber wochenlang zu schwach für mehr als Bett, vorgezogene Vorhänge und eine Stimme, die schon nach ein paar Sätzen dünn wurde, blieb Sol öfter im Haus, als sie wollte. Mike war dann nicht mehr nur der Mann, der nicht in ihre Küche passte. Er war der Einzige, der noch durch die Zimmer ging, der den Fernseher zu laut stellte, der fragte, wo sie sei, obwohl sie gar nicht weggewesen war. Am Anfang wirkte es fast wie Fürsorge, und genau deshalb hat sie ein paar Sekunden gebraucht, um zu merken, dass sich etwas verschob. Die Tür fiel zu leise ins Schloss. Der Raum wurde enger, obwohl sich an den Wänden nichts geändert hatte. Er setzte sich zu nah, blieb zu lange, redete mit einer Stimme, die freundlich tun wollte und es nicht war.
Er hat sie angefasst.
Nicht in der Sprache, die Erwachsene später dafür fanden, und nicht in einem Satz, den ein elfjähriges Mädchen damals schon hätte hinlegen können. Es war zuerst nur das Gefühl, dass ihr Körper nicht mehr ihr gehörte, sobald er im Zimmer war. Dass seine Hand dort lag, wo keine Hand liegen durfte, und dass sie gleichzeitig ganz still werden und ganz weit weggehen musste, um das auszuhalten. Sie hat auf einen Punkt an der Wand gestarrt, auf einen Riss in der Farbe, auf irgendetwas, das nicht er war, und hat darauf gewartet, dass es vorbei ist. Danach blieb ein Druck in der Brust, als hätte jemand zu lange die Luft angehalten, und die Scham kam früher als das Wort dafür. Sie wusste nicht, wie man das seiner Mutter sagt, vor allem nicht einer Mutter, die selbst kaum aufstehen konnte und Mike schon einmal gegen sie in Schutz genommen hatte. Also hat sie nichts gesagt. Sie hat Zähne geputzt, ist zur Schule gegangen, hat am Abend Brotdosen ausgeräumt und so getan, als wäre der Tag nur ein ganz normaler Tag gewesen.
In ihr war nichts normal. Sie hat sich dreckig gefühlt, ohne zu verstehen, warum ausgerechnet sie sich dreckig fühlen sollte. Sie hat Yolanda angeschaut und kurz gehofft, dass Mütter so etwas riechen können, und dann wieder gehofft, dass sie es nicht merkt, weil Merken bedeuten würde, dass es wirklich passiert ist. Das Klavier konnte sie plötzlich nicht mehr anfassen, als wäre auch das zu weich, zu nah, zu sehr nach Händen. Deshalb kam das Schlagzeug. Laut, hart, weit weg von allem, das sich nach ihrer Mutter anfühlte. Sie hat geschlagen, bis die Handflächen brannten, weil Schmerz, den sie selbst ausgesucht hatte, sich ehrlicher anfühlte als der andere. In der Schule blieb sie höflich und klein und unauffällig, und nachts lag sie wach und zählte Geräusche im Haus, nur um zu wissen, wo er gerade war. Yolanda hat irgendwann aufgehört, nur zuzuhören, und angefangen zu sehen. An dem Abend, an den Sol sich nur in Stücken erinnert, kam sie zu spät und gerade rechtzeitig. Gelbes Licht im Flur, der Teppich unter den bloßen Füßen, und dann das Bild, das sich nicht mehr zurückschieben ließ: Mike bei ihr, Yolanda in der Tür, und aus einem Streit wurde in wenigen Sekunden etwas Endgültiges. Sol weiß bis heute nicht genau, in welcher Reihenfolge die Bewegungen kamen. Sie weiß, dass Blut da war, dass ein Küchenmesser plötzlich kein Küchenmesser mehr war, und dass Yolanda You’ll be fine, mi vida gesagt hat, obwohl nichts mehr fein war. Sol hat nicht geschrien. Sie hat nicht verstanden, in welcher Reihenfolge sie fühlen sollte. Ein Teil von ihr hatte sich genau das gewünscht, dass ihre Mutter endlich sieht und eingreift, und als es dann passierte, war da vor allem Leere. Keine Dankbarkeit, keine Erleichterung, kein sauberer Schluss. Nur das dumpfe Wissen, dass etwas zu Ende war, und dass dieses Ende sie trotzdem nicht zurückholte.
Die Polizei kam mit Licht, das über die Fassade lief, und mit Stimmen, die zu laut für das Haus waren. Yolanda wurde mitgenommen. Sol bekam eine Decke um die Schultern, die nach fremder Wäsche roch, und später sollte sie einem Richter erklären, was sie gesehen hatte, obwohl Sehen und Verstehen an dem Abend zwei verschiedene Dinge gewesen waren. Die Blicke danach waren fast so schwer wie das, was Mike getan hatte. Leute schauten sie an, als wäre sie aus Glas, und Mitleid machte aus ihrem Leben eine Geschichte, in der sie nur noch das Mädchen aus dem Haus war. Sie hasste das, weil Mitleid sich anfühlte, als würden alle über ihren Körper sprechen, ohne sie zu fragen.
Mit zwölf hatte sie keine Familie mehr, die sie nehmen wollte. Verwandte haben höflich oder unhöflich den Kopf geschüttelt, und das Ergebnis war dasselbe. Danach kam Pflege: Flure, Akten, Betten, in denen schon jemand anders gelegen hatte. Sol ist nicht laut geworden, weil sie cool sein wollte. Sie ist laut geworden, weil Stillsein sie vorher nicht geschützt hatte, und trotzdem hat das niemand als Hilferuf gelesen. Irgendwann war da ein Junge, dunkelhaarig, nur ein Stück älter, der nicht versuchte, sie zu reparieren, sondern einfach blieb. In seiner Nähe wurde Atmen wieder etwas Alltägliches. Das System hat sie trotzdem getrennt, nüchtern und ohne großen Bösewicht, einfach weil Akten so funktionieren. Bei den Browns war es eng und falsch. Zu viele Kinder, zu wenig Platz, und Dylan Brown war ein Mann, den man nicht erklären musste, weil man ihn an seiner Frau und an den Jungen sehen konnte. Sol ist geblieben, nicht aus Loyalität, sondern weil Weglaufen nur wie ein anderes Problem ausgesehen hat. Sie hat in der Schule weitergemacht und innerlich bis zum College gezählt, weil das der erste Satz war, der noch nach Zukunft klang.
Das Geld dafür hatte Yolanda seit Sols zweitem Lebensjahr beiseitegelegt. Es war nicht viel, aber es war das Letzte, das noch nach ihrer Mutter klang, nach Klavier und nach Üb weiter. Als Sol eines Abends in der Küche danach fragte, wurde es still auf eine Art, die sie sofort verstand. Dylan hatte es verspielt. Für einen Moment war da nur dieses dumpfe Gefühl unter Wasser, kein großer Zusammenbruch, eher das langsame Begreifen, dass auch das Sicherheitsnetz ein Loch gehabt hatte. Sie hatte immer gesagt, man könne sich nur auf sich selbst verlassen. An dem Abend hörte der Satz auf, klug zu klingen. Er war einfach wahr und dennoch blieb sie bis sie auf eigenen Beinen stand.
Jahre vergingen in denen sie einfach nur überlebte. In Pilsen hat sie ein kleines Apartment genommen, in dem die Heizung tickte und man von der Feuerleiter ein Stück Himmel sah, der selten so aussah wie auf Postkarten. Morgens stand sie hinter der Theke, schrieb Namen auf Becher und ließ den Tag in kleinen Bestellungen an sich vorbeilaufen. Abends ging sie in einen Proberaum, der nach Staub und alter Elektrik roch, und schlug das raus, was sie tagsüber zusammenhielt. Berührungen waren bis dahin kein kleines Ding für sie. Manche Tage gingen leicht. Manche Tage saß schon ein zu langer Blick in einem Raum falsch, und dann ging sie, ohne zu erklären. Yolanda saß immer noch. Jeden zweiten Sonntag fuhr Sol hin, setzte sich an einen Tisch, der nach Behörde aussah, und versuchte zu vergeben, ohne so zu tun, als wäre Vergeben eine einmalige Leistung. Sie vergab ihrer Mutter nicht, weil das, was Mike getan hat, kleiner geworden wäre. Sie vergab ihr, so gut es ging, weil Yolanda am Ende gesehen hat, und weil Sehen damals das Einzige war, das noch hätte kommen können. An manchen Sonntagen klappte das fast. An manchen drehte Sol im Auto nur das Radio auf und wartete, bis Chicago wieder da war.
Den Jungen von damals hat sie nicht wiedergefunden. Die Browns fuhr sie nicht mehr an. Klavier spielte sie selten vor anderen Leuten, höchstens allein, wenn die Wohnung leer war und niemand durch die Wand mithören konnte. Meistens blieb sie beim Schlagzeug, weil Lautsein sich ehrlicher anfühlte als schön sein. Der Traum, dass irgendwann jeder ihren Namen kennt, war leiser geworden. Geblieben war etwas Kleineres: ein Schlüssel, der nur zu ihrer Tür passte, und der Entschluss, dass niemand mehr über ihren Kopf und schon gar nicht über ihren Körper entschied.
Aber auch offen für Ex, Fast-Freundschaft, schlechte Idee mit gutem Timing
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01.
Short facts
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02.
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03.
Writing
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