Wesley ist ein sensibler, tiefgründiger Mensch, der trotz seiner Vergangenheit eine warme, ruhige Ausstrahlung hat. Er beobachtet mehr, als er spricht, und trägt eine stille Verletzlichkeit in sich, die ihn gleichzeitig sanft und stark wirken lässt. Seine Kreativität ist sein Zufluchtsort, und obwohl er viel erlebt hat, bleibt er empathisch, loyal und überraschend mutig. Wesley wurde am 10. März 1995 in Miami geboren und hatte vier Geschwister. Mit seinem älteren Bruder Jonathan und seinem etwas jüngeren Bruder Raven verstand er sich am besten. Er genoss eine glückliche Kindheit. Die Familie lebte in einem kleinen Ort in der Nähe von Miami, auf einem kleinen Hof mit vielen Hühnern, Schafen und drei Hunden. Auch mehrere wild lebende Katzen streiften über das Gelände. Die Eltern waren Hippies, wie aus dem Bilderbuch. — Freunde/ andere Adrenalin Junkies Ich schreibe emotional, frei und intuitiv. Mein Stil ist lebendig, dialognah und oft von kleinen Details getragen, die Szenen greifbar machen ich freue mich auf euch
Wesley
Zu Hause war immer etwas los. Der Hof lag ein wenig abseits, umgeben von Wiesen, auf denen die Schafe grasten. Die Hühner liefen frei herum, pickten überall und legten ihre Eier dort, wo es ihnen gerade passte, manchmal sogar im alten Werkzeugkasten. Die Hunde? Drei große, wuschelige Fellknäuel, die mehr wie Brüder waren als Haustiere. Sie schliefen mit den Jungs in den Betten, jagten sie über den Hof und bellten jedes Mal, wenn jemand mit dem Fahrrad den Feldweg entlangkam.
Die Eltern lebten frei und bunt. Räucherstäbchen, bunte Tücher und Musik, die nie aufhörte, gehörten zum Alltag. Der Vater baute Gemüse an, die Mutter machte Marmelade und heilte mit Kräutern. Sie glaubten an Freiheit, Liebe und das Gute im Menschen. Regeln gab es kaum, außer: „Sei ehrlich, tu niemandem weh und hilf beim Füttern.“
Die fünf Geschwister waren laut, wild und ständig draußen. Einer baute Baumhäuser, der andere sammelte Steine. Wesley lag oft einfach im Gras und hörte den Schafen beim Blöken zu. Drinnen roch es nach frischem Brot, nach Erde und Lavendel. Die Küche war das Herz des Hauses, groß, warm, mit einem alten Holzofen und einem Tisch, an dem fast immer alle gleichzeitig saßen, aber immer jemand da war.
Es war nicht perfekt. Es gab Streit, das Geld war oft knapp, und manchmal war es einfach zu laut. Aber es war ihr Zuhause, voller Leben, voller Geschichten, voller Liebe.
Die zwei Jüngsten gingen Wesley oft auf die Nerven. Immerhin war er schon fast ein Mann und wollte sich nicht mehr mit ihnen abgeben. Er war gut in der Schule, wurde aber oft gehänselt wegen seiner Herkunft, wegen seiner Kleidung, die nicht neu und nicht gerade modern war. Bei fünf Geschwistern war es normal, dass einer seine Sachen dem nächst Kleineren vererbte. Freunde zu finden war nicht leicht, aber es gab immer Randgruppen, die ähnlich waren wie er. So konnte er sich über positive Kontakte nicht beklagen.
Mit 15 wurde Wesley auf dem Schulhof von einer Frau angesprochen, sie war Model-Scout. Vielleicht wäre er nicht darauf eingegangen, wenn sie ein Mann gewesen wäre. Aber so wurde aus dem gerade 15-Jährigen ein gebuchtes Model. Die Eltern ließen ihn machen, was er wollte. Sie waren so erzogen worden, dass sie frei entscheiden durften. Die Mutter war stolz auf ihren zweiten Sohn.
Wesley war begeistert von der Vorstellung, auf den Laufstegen der Welt berühmt zu werden. Bald hingen Plakate von ihm in den Hochhäusern New Yorks. Doch er und seine Familie ahnten nicht, welche Schattenseiten der Ruhm mit sich bringen würde. Die Designer wollten, dass er wie ein gutaussehender Teenager aussah.
Kurz nach seiner Entdeckung wurde Wesley von seinem Model-Coach missbraucht. Da er erst kürzlich entdeckt hatte, dass er auf Männer stand, konnte er sich nicht wehren. Er wollte es seinen Eltern, seinen Brüdern oder der Polizei sagen, aber er wurde erpresst: Wenn er sprach, würde seine Karriere enden.
In den folgenden Jahren geriet Wesley immer tiefer in die Abhängigkeit. Er musste hungern, entwickelte Bulimie, trank zu viel und wurde tablettenabhängig. Auch Drogen gehörten bald zu seinem Alltag. Er wohnte längst nicht mehr auf dem Hof und reiste viel durch die Welt. Wenn er ab und zu zu seiner Familie zurückkam, bemerkten sie, dass er sich verändert hatte. Doch durch die moderne, schicke Kleidung fiel seine Magersucht kaum auf.
Mit 21 verliebte er sich in einen Mann. Doch als er zu einer Modeschau nach Europa musste, verschwand sein Freund spurlos. Wesley kam damit nicht klar und verschwand eine Nacht später ebenfalls. Er packte seine Sachen und reiste von Ort zu Ort, arbeitete überall und blieb nie lange.
Es dauerte eine Weile, bis Wes den Mut fand, sich bei seiner Familie zu melden. Von da an hielten sie Kontakt und wussten immer, wo er sich aufhielt.
Als er erfuhr, dass ihn Modelagenturen verklagten, weil er seine Verträge nicht erfüllt hatte, ließ er sich von einem Anwalt vertreten. Obwohl er Abfindungen zahlen musste, wurde er freigesprochen.
Wes besuchte seine Eltern und Geschwister, die noch auf dem Hof lebten, und blieb eine Zeit lang dort. Seine Mutter wollte ihn nicht sofort wieder gehen lassen. Er begann, sich mehr für sein Hobby, die Fotografie, zu interessieren, und fing auch an zu malen.
Als er sich einen eigenen Hund wünschte, zog die ganze Familie los und kaufte ihm einen Golden Retriever. Da er der Kleinste vom Wurf war, mussten sie nur einen geringen Betrag zahlen, laut Züchter würde er ohnehin nicht lange leben. Doch mittlerweile war der Hund schon einige Jahre alt, und es ging ihm gut.
Eine Zeit lang arbeitete er in einem Copyshop in Brooklyn, fotografierte Straßenszenen, malte nachts in seinem kleinen Apartment und verkaufte gelegentlich Bilder. Die Stadt half ihm, sich neu zu definieren weg vom Model, hin zum Künstler.
Doch New York war laut, schnell, überfordernd. Und Wesley merkte, dass er zwar funktionierte, aber nicht heilte.
Er war zu einem Adrenalinjunkie geworden. Er liebte gefährliche Aktivitäten wie schnelle Motorräder, Autos und Paragliding. Auch wenn ihn das letzte Mal fast das Leben gekostet hätte, er brauchte diesen Kick, um zu spüren, dass er lebte.
Oft besuchte er seine Geschwister und Eltern und verbrachte Zeit mit ihnen.
Eines Tages meldete sich sein Ex-Freund bei ihm und erzählte, dass der Model-Coach ihn bezahlt hatte, um aus Wes Leben zu verschwinden. Obwohl Wes geschockt war, hatte er keine Gefühle mehr für seinen Ex. Zu viel Zeit war vergangen.
Chicago kam unerwartet. Ein Freund aus der Kunstszene erzählte ihm von einer kleinen Galerie, die junge Künstler suchte. Wesley reiste spontan hin und verliebte sich in die Stadt.
Chicago war ruhiger als New York, aber trotzdem kreativ. Die Menschen waren direkter, ehrlicher. Die Seenlandschaft gab ihm ein Gefühl von Freiheit, das er seit Miami vermisst hatte.
Er zog um, fand einen Job in einem Copyshop in Lincoln Park, von dem Geld was ihm vom Modeln übrig blieb kaufte er sich ein kleines Loft mit Backsteinwänden und hohen Fenstern, und begann endlich, ein Leben zu führen, das ihm gehörte.
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