Alexandra ist ein zersplitterter Charakter, zusammengesetzt aus einzelnen Fragmenten die ein stimmiges Gesamtbild abgeben. Die zwei Gesichter die sie trägt sind zum einen das, der kultivierten, charismatisch-eleganten und überaus ehrgeizigen Alexandra. Das andere ist die zu kontrollierte, perfektionistische und ironischerweise impulsive Seite. Die prestigeträchtigen Gallerien dieser Welt waren ihr Spielplatz. Unlängst verstorbene, verstaubte Künstler ihre fragwürdigen Lehrer in den zu stillen Hallen für lautes Kinderlachen. Ihre Mutter war eine Frau mit ungesundem Hang zur Exzentrik, die kühlen Scheinwerfer im Museum ihr Rampenlicht und sie sich sonnend in der Aufmerksamkeit von Leuten, die an sie herankommen mussten, um ihren Namen in der Branche einen Wert zu verleihen. Der liebevolle Umgang zu seinen Töchtern und das grundsätzlich respektvolle Verhältnis zu ihrer Mutter waren jedoch anscheinend die einzigen weißen Flecken auf einer sonst schwarz getränkten moralischen Weste. Die Fassade begann nach Alex 11. Geburtstag zu bröckeln, bevor sich in rasanter Entwicklung eine Seite von ihrem Vater offenbarte, die zuvor im Verborgenen gebrodelt hatte. Danach setzte ihre Mutter vieles daran, ihre Töchter in eine Richtung zu lenken, die das von ihr erklärte Verdorbene ihres Vaters auslöschte. Zumindest so der lachhafte Versuch ihrer Mutter, Genetik und angeborene Charaktereigenschaften zu formen nach ihrem Belieben. Mit dem Erreichen ihres Schulabschlusses hatte Alex es bereits perfektioniert, diese weniger erstrebenswerten Charaktereigenschaften ihrerseits hinter eine sorgfältigen Fassade zu verschließen. Dass sie damit den Fußstapfen ihres Erzeugers folgte, versuchte sie bestmöglich selber zu verdrängen. Um diesen Akt weiter aufrecht zu halten und mit der jungen, naiven Hoffnung, sich vielleicht doch zu irren, begann Alex nach Schulabschluss ein Bachelorstudium in Kunstgeschichte. Eine schlussendlich quälende Erfahrung, denn so sehr ihr das Wissen um ihren Studieninhalt leicht fiel und auch die stolz glitzernden Augen ihrer Mutter sie begleiteten, sie fühlte sich zunehmend falsch in dieser Welt. Wie ein langsames Ersticken inmitten der kreativen Seelen. Sie lebte nach dem Traum ihrer Mutter um sich selbst etwas zu beweisen. Oder zu verstecken. Mit 22 begann sie so mit der Unterstützung ihres Vaters ihr Studium der Rechtswissenschaften in Chicago und fand sich endlich in einer Welt wieder, in welcher sie sich wohl fühlte. Der Höhepunkt der Parallelität zu ihrem Vater kam in einer ruhigen Nacht zu seinem brutalen Ende. Das einzige Licht, was brannte, war die kleine Lampe neben ihrem Sofa, doch der schwach gelbliche Schein war stark genug um die Szene vor ihr ins Rampenlicht zu setzen. Ihre Finger und Kleidung waren benetzt von der dunklen Flüssigkeit, während sie nach dem Puls des Mannes getastet hatte. Ohne positives Ergebnis. Das Nachspiel der Nacht und Tat nahm ein ungeahntes Ausmaß an. Wieder folgte sie ihrem Vater, wieder stärkte sie ihre eigene Fassade um sich ihrem Umfeld anzupassen und jede Vermutung des „Anders Seins“ auszuschalten. Mit 25 absolvierte sie schließlich im Anschluss direkt ihr Bar Exam und konnte noch im selben Jahr in einer der renommierten Chicago Kanzleien im M&A Bereich als First Year Associate beginnen. Wirtschaftsrecht hatte sie bereits im Studium am meisten interessiert, war die Mischung aus Verhandlungsgeschick, Zivilrecht und Mathematik etwas, womit sie sich unfassbar wohlfühlte. Es schadete nicht, dass dies eine der best bezahlten Bereiche war, der es ihr ermöglichte, endlich gänzlich unabhängig von ihrer Familienkonstrukten ihr Leben und ihre Finanzen aufzubauen. Ohne den Einfluss ihrer Mutter oder den Namen ihres Vaters. Mit der Zeit verschwammen die Grenzen zwischen Realität und Schauspiel. Selbst Alex weiß nicht mehr, was zu ihrer Fassade und was zu ihrem wahren Charakter gehört. Inzwischen hat sie diesen Fakt für sich einfach akzeptiert und versucht, mit Vergessen und Ablenkung die Nacht hinter sich zu lassen. Mal hat sie Erfolg und einer der Coping Mechanisms die sie sich inzwischen zurecht gelegt hat funktioniert, mal kann sie wochenlang nicht schlafen und probiert sich mit langem Joggen oder Arbeitswut von dem rasenden Puls und der Panik abzulenken. Sie hat zwar das Gefühl, dass die Zeit zwischen ihren Anfällen immer länger wird, doch die Anfälle selbst haben an ihrer Intensität nicht abgenommen. Im Gegenteil. Alex hatte ihr ganzes Leben damit verbracht herauszufinden, ob sie ein guter Mensch ist und dabei nie gelernt, was gut für sie überhaupt bedeutet. Und dabei weiß Alex bis zum heutigen Tag nicht einmal, ob ihr Vater tatsächlich Schuld an dem Abscheulichen trägt, wofür er verurteilt wurde. Trotz vieler Besuchsstunden im Gefängnis hat sie nie die Bestie zu Gesicht bekommen, die laut dem Rest der Welt in den Genen ihres Erzeugers schlummert - sieht also die Welt mehr als sie? War es sein Beschützerinstinkt oder war es tatsächlich die Wahrheit gepaart mit väterlicher Aufopferung? He's looking for his Best Friend and Partner in Crime. And possible missing a further headache in his life. looking for: — just a poor little girl waiting for her happy ending. or a plot twist. whatever comes first.
Alexandra
Diese starken Eigenschaften konkurrieren häufig und führen dazu, dass sie einen Hang zum Überemotionalen hat. Sie fühlt zu viel, sie überdenkt alles. Häufig ist vieles was sie fühlt ein gewisses Extrem, bevor sich dieses wieder schnell verliert: Sie verliebt sich schnell, verliert aber ebenso schnell wieder Interesse. Sie ist schnell verletzt, verzeiht aber ebenso schnell wieder. Gerade bei Menschen aus ihrem engsten Umfeld ist sie selten nachtragend, bringt viel Verständnis und Empathie mit. Die Loyalität, die sie diesen auserwählten Personen gegenüber aufbringt, ist kaum zu brechen. Ihre emotionale Flüchtigkeit gilt also nicht für alle Menschen gleichermaßen. Wenn sie jemanden einmal für sich ausgewählt hat, ist es so gut wie unmöglich, sie wieder zu verlieren, den egal was, sie würde für die Person durch die Hölle gehen. Oder ohne Nachfrage zu jeder Uhrzeit mit offenem Ohr für diese da sein. Alles teilen was sie hat, wenn sie damit helfen kann. Ein starkes Schwarz Weiß Verhalten.
Denn zugleich baut sie stetig weiter an ihrer Fassade, hat gelernt, dass eine perfekte Hülle von dem ablenkt, was darunter liegt. Je perfekter und makelloser sie nach außen auftritt, desto weniger zieht sie Nachfragen an. Von außen gibt sie häufig den Eindruck, ihr Leben komplett im Griff zu haben, vieles mit Leichtigkeit zu erreichen. Sehr viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie in diesem Moment weniger als fünf Stunden geschlafen, drei Zigaretten vor ihrem Kaffee geraucht und mindestens eine impulsive fragwürdig Entscheidung bereits getroffen hat, die sie im Nachhinein wieder wie einen vorsichtigen Plan hat aussehen lassen.
Dabei weiß Alexandra manchmal selber nicht einmal, wann eine Entscheidung aus unvernünftiger Impulsivität heraus getroffen wurde. Manchmal ist sie vollkommen überzeugt davon, komplett vernünftig zu handeln. Und mit einem gewissen Argumentationstalent, welches sie sowohl charakterlich aufweist als auch über die Jahre erlernt hat, kann sie sich hervorragend selber rechtfertigen.
Diese Zusammensetzung macht zwischenmenschliche Beziehungen für sie bei Zeiten schwierig, da sie bei jedem eine andere Version ihrer selbst ist, die sie in dem Moment glaubt sein zu müssen. Zudem ist dies auch ein anstrengendes Spiel, welches sie inzwischen bei wenigen auserwählten Menschen in ihrem Leben abgelegt hat, wo sie die Fassade ablegen kann und beide ihrer Gesichter, zumindest ein stückweit, auftreten lassen kann.
Diese Kontrolle um sich selber ist wieder zweigeteilt: zum einen, um nach außen diese Fassade aufrecht zu halten, von der sie glaubt, sie schützt sie. Zum anderen ist dieser Kontrollzwang jedoch schon seit Kindertagen vorhanden und wurde über die Jahre nur um ein vielfaches stärker. Sie kontrolliert sich selber, denn dies ist der einzige Faktor, den sie tatsächlich kontrollieren kann.
Der Beruf der Kuratorin passte wie maßgeschneidert auf die energetische Frau, die um ihren beruflichen Erfolg herum ihr Leben aufbaute. Sie war keine Frau, die ihre Zukunft plante oder Träume verfolgte, die jenseits von ihrem Beruf stattfanden. Entsprechend waren auch Kinder und die damit einherkommende perfekte Vorstadtfamilie ihr nie sonderlich in den Sinn gekommen. Familienplanung war mehr eine Nebenerscheinung in ihrem Leben gewesen.
Hätte sie diese neuen Leben, die sie kreiert hatte, etwas ernster genommen, hätte sie vielleicht auch eine bessere Wahl für den biologischen Miterzeuger getroffen. Stattdessen schenkte sie einem Mann zwei Kinder, dessen Existenz in ihrem Leben nie mehr als die einer neumodischen Situationship war. Dessen Fähigkeit, Kinder mit ihr großzuziehen oder andere Attribute, auf die eine vernünftigere Frau geachtet hätte, waren für ihre Mutter gänzlich egal gewesen.
Zwei Töchter brachte sie im Abstand von zwei Jahren auf die Welt und entschied sich, ihrer Heimat Chicago vorerst treu zu bleiben und dort ihr Zuhause aufzubauen. Im Verständnis der Frau also eine Wohnung, welche sie als Umschlagplatz fürs Wäsche waschen und Kunst aufbewahren nutzen konnte, bevor die nächste Ausstellung sie an den nächsten x-beliebigen Ort rief. Häufig begleiteten die kleinen Töchter ihre Mutter in diesen frühen Jahren, bis die Schulpflicht sie schließlich dazu verdammte, mehrere Monate am Stück in Chicago zu verharren.
Doch so exzentrisch und leichtsinnig ihre Mutter auch war, so überquellend mit Liebe war die Frau. Es machte zwar keinen Unterschied, ob es um die Liebe der Töchter oder der Hauskatze ging, doch es war stets genug da um alle warm umschlossen fühlen zu lassen. Die Frau passte sich also an die neuen Umstände an, relokalisierte ihren Lebensmittelpunkt endgültig nach Chicago und begann dort Ausstellung zu dirigieren und Gallerien zu beaufsichtigen, damit ihre Töchter ihrer Schullaufbahn nachgehen konnten.
In dem Voss Haushalt gab es keine männlichen Einflüsse, selbst die getigerte Hauskatze war weiblich. Ihr Vater war zwar eine Konstante in Alexandras Leben, doch die Beziehung zwischen ihm und ihrer Mutter hatte schon bereits zum Zeitpunkt ihrer Zeugung nie aufrichtig existiert. Doch auch er war sehr hingebend seinen Kindern gegenüber, wenn auch in ähnlich verdrehter Weise wie ihre Mutter.
Ihre Erinnerungen an die damalige Zeit sind nur noch bruchstückhaft vorhanden. Vieles wurde in der Zwischenzeit zum Selbstschutz von ihrem Gehirn aus dem Langzeitgedächtnis gelöscht.
Es war ein medienwirksamer Fall, in dem ihr Vater als Täter von einer Serie an Gewaltverbrechen liebevoll von der Presse zum Soziopathen erklärt wurde. Auf einem psychologischen Gutachten beruhte das nicht.
Was der Öffentlichkeit verborgen blieb, war die Aufopferung ihres Erzeugers, der auf einen öffentlichen Gerichtsprozess verzichtet hatte und stattdessen gefügig gestand um so seinen Töchtern die Scham dieses öffentlichen Spektakels zu ersparen und beide vor dem sicheren Gang zum Zeugenstand zu bewahren.
Sie wusste nicht, ob die Tatvorwürfe der Staatsanwaltschaft tatsächlich stimmten, doch war sie nie dankbarer gewesen, nicht den gleichen Nachnamen mit dem Mann zu teilen für den seine Töchter wertvoll genug gewesen waren, um sich schützend vor sie zu stellen.
Inzwischen ist ihr Vater ein düsterer Abyss in ihrem Stammbaum und ein unregelmäßiger Besuchstermin im Kalender. Es ist eines der besser gehüteten Geheimnisse der Voss Frauen welches von ihrer Mutter damals mit erschreckender aber benötigter Härte gehandhabt wurde. Eine Eigenschaft, welche man bei dem sonst so flatterhaften Sonnenschein nicht vermutet hätte, doch es war das kurze Erblitzen eines Antlitzes welches erklärte, weshalb sie in ihrem beruflichen Feld es zu Erfolg gebracht hatte..
Musikstunden, stundenlange Besuche in den Gallerien umgeben von Genies in ihrem Feld, Ballettunterricht - keine kreative Richtung blieb verschont von dem Vorhaben ihrer Mutter, ihren Töchtern Sanftheit und Weiche zu verleihen. Ein naiver Vorsatz, der die wahre Unfähigkeit ihrer Mutter bei Empathie und mütterlichen Fürsorge offenlegte.
Doch der naive Therapieversuch war von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen. Sie konnte nicht das Wesen ihrer Tochter ändern. Diese fand jedoch durch die zahlreichen Warnansprachen ihrer Mutter heraus, wie viele Parallelen sie tatsächlich mit ihrem Vater teilte.
Statt also die sanfte Seite an sich zu entdecken und in der Kunst den Ausgleich zu finden, war es das Feld, was ihr die Verwirklichung von Obsession beibrachte. Ihr zeigte, wie wenig ausgeprägte die weiche Künstlerseele in ihr war und wie stark sie Eigenschaften verkörperte, die ihre Mutter so verteufelte.
Ballett blieb aus dieser Zeit ihre ausgesuchte Droge, das formende Ventil für jede Form von der wachsenden Selbstverachtung und Anspruchshaltung, die eine junge heranwachsende Teenagerin mit entsprechender Familienhistorie in sich trug. Ihre Mutter lebte währenddessen in aufgezwungener Blindheit ihrer Entwicklung gegenüber, ignorierte dass sich ihre Älteste mehr und mehr nach ihrem Vater entwickelte. Über die Jahre zeigte sich, dass die älteste Tochter nicht die Exzentrik ihrer Mutter geerbt, und auch die zarte Leichtigkeit es nicht geschafft hatte, sich in ihr zu entwickeln.
Im Voss Haushalt war das nach alle dem jedoch wie ein geschwenktes rotes Tuch. Das größte Vergehen war auch nur irgendeine Ähnlichkeit zu ihrem Vater aufzuweisen, auch neutrale oder gute Eigenschaften waren ein Dorn im Auge. Die Angst ihrer Mutter um das Genpotential in ihren Töchtern war alles einnehmend.
Doch in diesem falschen Traum erlaubte Alex sich selbst das erste Mal ihre eigenen Wünsche zu erkunden, erstmals losgelöst von der über ihr schwebenden Drohung, wie ihr Vater zu sein. Sie begutachtete in Selbstreflektion, was ihr Spaß machte, wozu sie tatsächlich in der Lage war. Sie wollte sich einen Raum schaffen, um ihren eigenen Biss weiter zu entwickeln und sich selbst etwas zu beweisen. Oder um den stärksten Widerspruch zu den Ängsten ihrer Mutter zu finden um sich so von ihren Ketten zu befreien.
Um ihren so neu entstandenen Karriereplan umzusetzen musste sich die junge Voss jedoch einen ungeliebten Verbündeten suchen und damit einen alten Kodex in ihrer Familie brechen: Sie suchte Hilfe bei ihrem Vater. Der Mann besaß weiterhin eine große, und vielleicht auch einzige, Schwachstelle wenn es um seine Töchter ging. Er versprach seiner Ältesten die Finanzierung ihres Studiums, losgelöst von der Unterstützung ihrer Mutter. Diese verzieh ihr nach dem Herausfinden dieses Paktes nie, dass sie mit diesem „Verrat“ riskierte, dass mit dem Familienname Voss der Soziopath der Medien in Verbindung gebracht werden könnte. Eine zumindest bislang noch unbegründete Sorge. Noch.
Doch ihr Perfektionismus, ihr Ehrgeiz und das Gefühl, ihre Entscheidung rechtfertigen zu müssen, ließ sie in diesen Jahren langsam zerbrechen. Der Konkurrenzkampf in der Law School ein wahrer Kampf ums Überleben unter den Besten, die zahlreichen Praktika und Klausuren eine einzige Vergleichsskala in der sie nie gewinnen konnte. Ein Teil von ihr schaffte es unter dem konstanten Druck hervorragend zu funktionieren, sich zähnefletschend behaupten und die langen Stunden in der Bibliothek zu rechtfertigen. Ein anderer, besser verborgenere Teil in ihr zerbrach jedoch innerlich unter dieser Last, dem ständigen Streben nach etwas, was sie nie erreichen würde: Perfektion. Nichts war je gut genug.
Dieses wahre Chaos in ihrem Inneren und die Impulsivität die immer mehr in ihr einzog ließ sie jedoch nicht nach außen vordringen. Stattdessen pflegte sie die perfekte, makellose Fassade um das Verdorbene, Chaotische, Unvollkommene dahinter zu verstecken.
Jahrelang hatte sie an dem Versteckspiel gearbeitet, welches sie von ihrem Vater differenzierte und nun stand sie inmitten eines Tatortes, der ihr das Gegenteil mit Brachialität bewies.
Die Polizei zu rufen war in dieser Nacht keine Option für sie gewesen. Alles, wofür sie die letzten Jahre gearbeitet hatte, war in Gefahr. Ihre Brandmarkung als Mörderin könnte sie alles verlieren lassen, und mehr. Toxischer Ehrgeiz, die Angst, die Öffentlichkeit erfahren zu lassen, wer die Töchter des notorischen Täters waren und so die Sicherheit ihrer Schwester und Mutter zu gefährden, war übermannend. Vielleicht irrational, vielleicht auch eiskaltes Kalkül.
Sie rief in dieser Nacht nicht den Notruf, sondern eine andere Nummer. Er kam.
Der Beweis der Nacht verschwand und mit ihm die Gefahr gänzlichen Zerfalls ihres Leben. Ein fataler Trugschluss. Eine Implosion, die seitdem mit wachsamen Auge nur darauf wartet, einzutreten.
Therapie wäre eine kluge, rationale Entscheidung nach dieser Nacht gewesen, doch Alex kam zu dem Fazit, dass keine Schweigepflicht sie stark genug schützen würde, als das sie ein offenes Gespräch riskieren konnte. In diesem Moment erschien ihr eine Selbsttherapie wie die sinnvollste Vorgehensweise, Nikotin und Schlaftabletten wurden zu ihren süßen Lastern. Die Kontrolle, die ihr entglitten war, versuchte sie auf andere Weise zurückzuerlangen. Andere mochten es wahnhaft nennen, für Alex war die nun ausufernde Arbeitswut notwendig gewesen, um gegen das Gefühl des Ertrinken anzukommen. Ein angenehmer Nebeneffekt waren die Bestnoten, mit denen sie ihr Studium schließlich abschloss. Eine Schattenseite die Insomnie, der auch Tabletten nicht mehr helfen konnten.
Die Arbeit ließ sie wie auch zuvor zurück in ihren Ehrgeiz und Perfektionismus finden, auch diesmal als Ablenkungsstrategie. Und währenddessen baute sie weiter sorgfältig an ihrer Fassade um das Chaos und den steigenden impulsiven Wahnsinn dahinter zu verbergen.
Alex kennt ihre wahre genetische Disposition nicht. Sie ist das Ebenbild ihres Vaters, doch sie weiß selber nicht, wie dieses aussehen soll.
Ihre Angst könnte unbegründet sein, wäre da nicht die winzige Fragestellung um die Tatklassifizierung von Mord oder Notwehr in dieser Nacht…
– FRIENDS AND FOE: Alex ist in Chicago geboren und aufgewachsen, vielleicht findet sich eine alte Freundschaft. Alex ist kein konstanter Charakter und wird sich je nach Tiefe der Freundschaft anders verhalten oder präsentieren, aber gerade da könnte auch etwas Charme liegen.
Vielleicht findet sich ja auch eine kleine Rivalität oder Hassliebe. Ich fürchte, ich kann keinen Anwalt ohne Feindseligkeiten erschaffen. Sei es eine Rivalität im Job um die nächste Gehaltserhöhung, die vielleicht sogar schon zu Studienzeiten begonnen hat...der stetige Wettlauf zu Rang 1, bis es irgendwann auf ein persönliches Level ging. (siehe auch unten Forgotten Relic, das könnte eine spannende Verknüpfung sein)
– FAMILY: Wenn auch unwahrscheinlich, nehme ich es trotzdem mal in die Liste auf. Spannend wäre vor allem Familie Mütterlicherseits, die vermutlich mit die einzigen Mitwisser um das Schicksal ihres Vaters wären. So gerissen ihre Mutter auch ist, die Verurteilung ihres Vaters hätte sie nicht vor ihrer erweiterten Familie verbergen können. Sollte aber natürlich die Familie mütterlicherseits nicht ganz so nahe stehen, wäre hier eine spannende Plotline, wie sich dieses familiäre Geheimnisse aufdeckt. So oder so, mit einer familiären Verbindung könnte man das Schicksal nach der Verurteilung von ihrem Vater noch einmal aufrollen.
– NEIGHBOURS: Irgendjemandem, mit dem sie sich Wände teilt und von dem sie sich Eier borgen kann. Ich sehe eine Beziehung mit gelegentlichem Dogsitting vor mir, ein paar geteilten Gläsern Wein nach Feierabend, etwas nach dem Vorbild von der Kultserie Friends, falls die jemandem etwas sagt.
Dann Wiederrum wären Nachbarn auch spannend, die ihre nächtlichen Ausflüge vielleicht bemerken. Oder andere Dinge sehen, die Alex eigentlich gerne mit in ihr Grab nehmen will.
– MAMA I'M IN LOVE WITH A CRIMINAL: Alex Geschmack in Männer ist fragwürdig in seinen besten Momenten. Sie hat keine geschickte Hand in der Auswahl ihrer Bettgefährten, Schuld sind wahrscheinlich eine Anzahl an daddy issues. Ihre Beziehungen sind eine Mischung aus toxisch oder kurzwährend.
Sie verliebt sich schnell, aber ebenso schnell verliert sie auch wieder Interesse wenn es zu harmonisch wird. Alles oder nichts. Euphorie oder Devestation. Wie genau das aussehen könnte, würde ich von der Dynamik der Charaktere abhängig machen. Einzige Voraussetzung an den Gegenpart: slightly toxic and a bad idea overall.
– FORGOTTEN RELIC: eine erste Liebe oder die erste, aufrichtige Freundschaft zu Jugendtagen, die damals noch nah an ihrem wahren Kern gewesen war, kurz nachdem ihr Vater verurteilt wurde. Die Verbindung muss noch nicht im Augenblick der Verurteilung bestanden haben, aber sollte kurz danach entstanden sein (sie war zwischen 12-14). Es wäre die einzige Person, die neben ihrer Familie vielleicht eine Ahnung hätte, was damals passiert ist und wie es wirklich tief in ihrem Inneren aussieht. Eine Information, die sie lieber zum schweigen bringen möchte. Und wie das aussieht, kann man zusammen schauen. Ob gut gesinnt oder ein Mittel was gegen sie genutzt werden kann.
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