Yoona ist eine selbstbewusste, charismatische und lebensfrohe junge Frau, die schon immer einen ausgeprägten eigenen Kopf hatte. Sie ist neugierig, ehrgeizig und liebt es, neue Dinge auszuprobieren. Durch ihre offene und humorvolle Art findet sie leicht Zugang zu anderen Menschen und besitzt die Fähigkeit, selbst angespannte Situationen mit ihrem Charme aufzulockern. Chapter One Einige Menschen nannten es einen Segen, andere einen Fluch. Wie bei so vielem im Leben kam es auf den Blickwinkel an, denn wie ein Mensch etwas sah und einschätzte, hing oft von seinen eigenen Erfahrungen und Vorstellungen ab. War es also ein Fluch oder ein Segen, in der Oberschicht geboren zu werden? Jeder hatte seine Probleme, sie waren lediglich unterschiedlicher Natur, und es ließ sich nur schwer sagen, wer tatsächlich mehr oder schlimmere Probleme hatte, denn auch das lag letztendlich im Auge des Betrachters. Wenn man Yoona heute danach fragen würde, wäre ihre Antwort vermutlich eindeutig: Es war ein Segen gewesen, der sich mit der Zeit in einen Fluch verwandelt hatte. Chapter Two Mit einem gebrochenen Herzen begann Yoona an der Brown University Wirtschaftswissenschaften zu studieren, um sich auf ihre zukünftige Rolle im Familienunternehmen vorzubereiten. Weder die Universität noch den Studiengang hatte sie sich selbst ausgesucht, und trotzdem musste sie nach einiger Zeit zugeben, dass ihr das Studium tatsächlich Spaß machte. Sie begann, sich für wirtschaftliche Zusammenhänge zu interessieren, entwickelte ein Gespür dafür, wie Unternehmen funktionierten, und stellte fest, dass sie durchaus eine eigene Vorstellung davon hatte, wie sich ein modernes Unternehmen führen ließ. Vielleicht war es genau das, was ihr an ihrem Studium so gut gefiel: Zum ersten Mal konnte sie etwas, das ursprünglich von ihren Eltern für sie bestimmt worden war, zu etwas Eigenem machen. Auf der Brown lernte sie außerdem einen neuen Freund kennen, jemanden, den auch ihre Eltern als eine gute Wahl betrachteten. Yoona war nicht unsterblich in ihn verliebt, doch vielleicht war genau das der Grund, warum die Beziehung für eine gewisse Zeit funktionierte. Er war eine Ablenkung von ihrem eigentlichen Herzschmerz, ein Mensch, bei dem sie nicht ständig an Minju denken musste. Sie konnte mit ihm lachen, ausgehen und so tun, als wäre ihre Vergangenheit nicht mehr wichtig. Chapter Three Yoonas Onkel, der ebenfalls seit vielen Jahren im Unternehmen tätig war, fühlte sich durch ihre Ernennung übergangen und gedemütigt. In seinen Augen hätte er aufgrund seiner Erfahrung und seiner jahrelangen Tätigkeit im Unternehmen selbst Anspruch auf eine Führungsposition gehabt. Dass ausgerechnet Yoona, die junge Tochter des bisherigen CEO, ihm vorgezogen wurde, empfand er als persönlichen Angriff. Seiner Meinung nach hatte eine junge Frau in einer derart wichtigen Position nichts zu suchen. Was zunächst wie verletzter Stolz wirkte, entwickelte sich schnell zu einem offenen Machtkampf innerhalb der Familie. Yoonas Onkel begann, gegen sie zu intrigieren, verbreitete Gerüchte und versuchte, ihre Entscheidungen zu untergraben. Wichtige Entscheidungen wurden verzögert, Informationen erreichten Yoona zu spät oder gar nicht, und immer wieder wurden ihr Steine in den Weg gelegt. Dabei achtete ihr Onkel darauf, niemals so offensichtlich zu handeln, dass man ihn direkt dafür verantwortlich machen konnte. Yoona wusste trotzdem, was er tat. Sie konnte es nur nicht beweisen. Und genau das machte die Situation so frustrierend. Doch sie ließ sich nicht beirren. Je mehr ihr Onkel versuchte, sie zum Aufgeben zu bringen, desto entschlossener wurde sie, sich ihren Platz zu verdienen. Sie arbeitete Tag und Nacht, setzte ihre eigenen Ideen durch und gewann zunehmend das Vertrauen ihrer Mitarbeiter, die ihre Vision für das Unternehmen teilten. Dabei musste sie jedoch lernen, dass eine Führungsposition nicht nur bedeutete, Entscheidungen zu treffen, sondern auch mit den Konsequenzen dieser Entscheidungen zu leben. Die größte Herausforderung war für Yoona dabei nicht einmal ihr Onkel. Es war der ständige Zweifel in ihrem eigenen Kopf. Sie wusste, dass viele Menschen sie nicht aufgrund ihrer Fähigkeiten beurteilten, sondern aufgrund ihres Alters, ihres Geschlechts und vor allem aufgrund ihres Familiennamens. Wenn sie einen Fehler machte, würde man darin nicht einfach einen Fehler sehen. Man würde ihn als Beweis dafür betrachten, dass sie nie für diese Position geeignet gewesen war. Also erlaubte sie sich keine Schwäche. Sie arbeitete länger als alle anderen, übernahm Aufgaben, die sie hätte delegieren können, und vergaß dabei zunehmend, dass auch sie irgendwann eine Pause brauchte. Wenn sie nachts allein in ihrem Büro saß und auf die Lichter Chicagos blickte, fragte sie sich manchmal, ob sie überhaupt noch wusste, wofür sie eigentlich kämpfte. Für sich selbst? Für das Unternehmen? Oder immer noch für die Anerkennung ihres Vaters? — Ich würde behaupten, dass ich super entspannt bin. In allen belangen! Chara ist Chara - kein Drama dahinter. Ich hetze nicht beim Posten und werde auch nicht gerne gehetzt. Es gibt Tage da poste ich jeden Tag und eben Phasen da dauert es eben ein wenig. Ich bin für jedes Drama zu haben, so lange es auf Chara-Ebene bleibt. Ich freue mich auf euch!!
Yoona
Hinter ihrer selbstbewussten Fassade steckt jedoch eine junge Frau, die lange darum gekämpft hat, den Erwartungen ihrer Familie gerecht zu werden. Sie ist es gewohnt, dass andere Entscheidungen für sie treffen, und hat deshalb gelernt, ihre eigenen Wünsche und Gefühle zurückzustellen. Besonders die Anerkennung ihres Vaters bedeutet ihr mehr, als sie sich eingestehen möchte.
Als CEO von Pyon Cosmetics zeigt Yoona, dass sie eine starke Führungspersönlichkeit sein kann. Sie ist innovativ, zielstrebig und bereit, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig neigt sie dazu, sich selbst zu viel aufzubürden. Scheitern ist für sie keine Option, weshalb sie ihre eigenen Grenzen häufig ignoriert.
Emotional ist Yoona sensibler, als sie nach außen zeigt. Vertrauen bedeutet ihr sehr viel, und wenn sie sich einmal verletzt oder verraten fühlt, fällt es ihr schwer, darüber hinwegzukommen. Sie kann nachtragend sein, vor allem wenn jemand ihre Familie oder ihre hart erarbeitete Position bedroht.
Ihr größter innerer Konflikt besteht darin, herauszufinden, wer sie wirklich sein möchte – unabhängig davon, was ihre Familie von ihr erwartet.
“We are what we pretend to be, so we must be careful about what we pretend to be.”
Als erstes Kind von Pranpriya und Minoh genoss Yoona in den ersten fünf Jahren ihres Lebens die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Beide stammten aus angesehenen Familien, wobei ihre Mutter thailändische Wurzeln besaß und ihr Vater koreanische. Pranpriya war einst Schauspielerin und ein äußerst erfolgreiches Model gewesen, bevor sie ihre Karriere zugunsten ihrer Familie und des gemeinsamen Unternehmens aufgab. Minoh hingegen arbeitete schon damals in der Familienfirma „Pyon Cosmetics“, einer bekannten und erfolgreichen Marke im Bereich der Kosmetik, für deren Produkte zahlreiche Berühmtheiten warben. Das Unternehmen hatte sich über die Jahre einen Namen gemacht und wagte schließlich den Schritt auf den amerikanischen Markt. Der Start verlief zunächst eher zögerlich, doch schon bald konnte Pyon Cosmetics auch dort große Erfolge feiern. Pranpriya hatte ihre Karriere als Schauspielerin und Model an den Nagel gehängt, um in die Firma ihres Mannes einzusteigen und sich gleichzeitig intensiver um ihre Kinder kümmern zu können. Eine Vollzeit-Nanny kam für das dynamische Powerpaar nicht infrage, denn sie waren der Meinung, dass sie ihren Kindern bestimmte kulturelle Werte selbst vermitteln mussten und niemand dafür besser geeignet sein konnte als sie selbst. Zumindest war das die Erklärung, die sie nach außen hin gaben. Erst später sollte sich herausstellen, dass hinter diesem Wunsch nach Nähe auch ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Kontrolle steckte, denn Pranpriya und Minoh waren es gewohnt, über beinahe jeden Bereich ihres Lebens selbst zu bestimmen – und ihre Kinder bildeten dabei keine Ausnahme.
Als Yoona acht Jahre alt war, hörte ihre Familie schließlich mit dem ständigen Pendeln auf und ließ sich dauerhaft in den USA, genauer gesagt in Chicago, nieder. Mittlerweile hatte Yoona zwei jüngere Schwestern bekommen, und die drei Mädchen waren ein Herz und eine Seele. Ihre Schwestern waren von Anfang an eher ruhig, gehorsam und fleißig gewesen, während Yoona schon als Kind durch ihre laute, neugierige und manchmal chaotische Art auffiel. Sie wollte alles ausprobieren, stellte ständig Fragen und hatte eine bemerkenswerte Begabung dafür, Dinge herauszufinden, die vermutlich niemand unbedingt hätte herausfinden müssen.
Besonders gut erinnerte sie sich an den Tag, an dem sie unbedingt wissen wollte, wie viele Gummibänder man um eine Wassermelone spannen konnte, bevor diese schließlich explodierte. Sie bekam ihre Antwort: 603 Gummibänder. Die Melone zerplatzte mit einem gewaltigen Knall, und kurz darauf explodierten auch die Nerven ihrer Mutter. Es war wahrscheinlich das erste Mal, dass Yoona von Pranpriya wirklich angeschrien wurde, und obwohl sie in diesem Moment durchaus verstanden hatte, dass sie etwas falsch gemacht hatte, hielt sie dieser Vorfall keineswegs davon ab, auch in Zukunft ihre eigenen kleinen Experimente durchzuführen. Sie war eben ein Wirbelwind, und daran änderte sich auch mit zunehmendem Alter nur wenig. Gleichzeitig besaß sie eine so charmante, liebevolle und offene Art, dass man ihr nur schwer lange böse sein konnte. Yoona wusste das natürlich und nutzte diese Tatsache gelegentlich schamlos für sich aus.
Auch auf der Privatschule kam sie schnell gut an. Durch ihre offene Persönlichkeit dauerte es nicht lange, bis sich eine Clique aus vollkommen unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammengefunden hatte, deren Mitglieder auf ihre eigene Weise besonders waren. Für Yoona war diese Freundschaft eine der ersten Erfahrungen, bei denen sie das Gefühl hatte, einfach sie selbst sein zu können, ohne darüber nachdenken zu müssen, ob jemand mit ihrer Entscheidung einverstanden war. Genau deshalb traf es sie besonders hart, als sie zum ersten Mal bemerkte, dass ihre Eltern ihre Freundschaften nicht als ihre persönliche Angelegenheit betrachteten.
Pranpriya und Minoh wollten genau wissen, mit wem ihre Tochter ihre Zeit verbrachte, woher die jeweiligen Familien stammten und welchen gesellschaftlichen Status sie besaßen. Die Herkunft ihrer Freunde wurde überprüft, ihre Eltern wurden unter die Lupe genommen und beinahe jedes Detail schien für ihre Eltern von Bedeutung zu sein. Mit den meisten waren sie einverstanden, doch bei Minju änderte sich ihre Haltung schlagartig. Seine Eltern waren hart arbeitende Menschen, aber sie waren weder reich noch stammten sie aus einem angesehenen oder gehobenen Elternhaus. Für Yoonas Eltern war das Grund genug, die Freundschaft kritisch zu betrachten. Sie waren regelrecht empört darüber, dass Minju und seine Schwester überhaupt dieselbe Privatschule besuchen durften wie ihre Töchter.
Für Yoona spielte das alles keine Rolle. Sie interessierte sich nicht dafür, wie viel Geld Minjus Eltern besaßen oder welchen gesellschaftlichen Status seine Familie hatte. Sie mochte ihn einfach. Mehr noch: Sie verliebte sich Hals über Kopf in ihn. Diese Worte hatte sie genau einmal ausgesprochen, und ausgerechnet vor ihrer Mutter. Yoona war damals davon ausgegangen, dass sie ein vollkommen normales Mutter-Tochter-Gespräch führten. Sie hatte sich sicher gefühlt und vielleicht sogar zum ersten Mal geglaubt, ihrer Mutter wirklich etwas Persönliches anvertrauen zu können. Also erzählte sie ihr freudestrahlend von Minju, davon, wie gerne sie Zeit mit ihm verbrachte, wie er sie zum Lachen brachte und warum sie glaubte, dass er etwas Besonderes war. Sie sprach über ihre Gefühle, ohne zu ahnen, dass ihre Mutter dieses Gespräch lediglich genutzt hatte, um mehr über ihre Tochter und ihre Gedanken herauszufinden. Noch während Yoona sprach, veränderte sich der Ausdruck ihrer Mutter. Es war nur eine kleine Veränderung, ein kaum merkliches Anspannen der Gesichtszüge und ein Blick, der plötzlich kälter wirkte, doch Yoona bemerkte ihn sofort. Ihre Freude verschwand innerhalb weniger Sekunden, denn sie wusste instinktiv, dass sie etwas gesagt hatte, das sie besser für sich behalten hätte. Kurz darauf erfuhr auch ihr Vater von ihren Gefühlen für Minju, und damit war für Yoona endgültig klar, dass ihre eigenen Gefühle in ihrer Familie keinen Raum hatten, wenn sie nicht in die Vorstellungen ihrer Eltern passten.
Erst mit siebzehn Jahren begann ihre sorgfältig aufgebaute Blase endgültig zu platzen. Langsam erkannte Yoona, dass ihr Leben längst vollständig vorgeplant war. Ihr Studiengang war ausgewählt worden, ihre Freunde waren genehmigt oder abgelehnt worden, und sogar die Vorstellung davon, mit wem sie eines Tages ihr Leben verbringen sollte, war keine Entscheidung, die allein ihr überlassen werden würde. In den Augen ihrer Familie war eine Partnerschaft eine Abmachung, ein Versprechen und vor allem ein Vorteil, der beiden Familien nutzen konnte. Es ging nicht um Liebe, Leidenschaft oder darum, ob zwei Menschen tatsächlich glücklich miteinander waren. Es ging darum, die richtige Verbindung einzugehen und sich den Erwartungen zu fügen. Yoona hatte lange versucht, sich einzureden, dass ihre Eltern nur das Beste für sie wollten. Vielleicht war es einfacher, so zu denken, als sich einzugestehen, dass die Menschen, deren Anerkennung sie sich ihr ganzes Leben lang gewünscht hatte, ihre Wünsche und Gefühle nur dann akzeptierten, wenn sie in ihr sorgfältig geplantes Leben passten. Wie jedes Kind wollte auch Yoona ihren Eltern gefallen, selbst wenn sie das niemals laut ausgesprochen hätte. Deshalb fügte sie sich schließlich und versuchte, ihre Gefühle für Minju so weit wie möglich zu verdrängen. Als Minju ihr kurze Zeit später erzählte, dass er Chicago verlassen würde, brach etwas in ihr. Vielleicht war es ihr Herz. Vielleicht war es aber auch die letzte Hoffnung, dass sie irgendwann selbst über ihr Leben entscheiden konnte. Yoona freute sich für ihn, und das tat sie wirklich. Sie wusste, welche Chance sich ihm bot, und sie wollte nicht diejenige sein, die ihm dieses Glück nahm. Gleichzeitig wusste sie jedoch, dass sie ihn verlieren würde, und darauf war sie nicht vorbereitet gewesen. Nicht als Freund, nicht als den Menschen, in den sie sich verliebt hatte, und vor allem nicht mit all den Gefühlen, von denen er nicht einmal etwas wusste. Aus Verliebtheit wurde Traurigkeit, aus Vertrauen wurde Wut und aus der Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft wurde das schmerzhafte Gefühl, etwas verloren zu haben, das ihr niemals wirklich gehört hatte. Vielleicht war das der Moment, in dem Yoona zum ersten Mal verstand, dass ein Leben, das von anderen für sie geplant wurde, zwar sicher sein konnte, aber nicht zwangsläufig glücklich machen musste.
“Life is what happens to us while we are making other plans.”
Ihre restliche Collegezeit verlief erstaunlich ruhig und ohne größere Dramen. Für eine Weile schien es beinahe so, als hätte Yoona endlich einen Weg gefunden, mit den Erwartungen ihrer Familie zu leben, ohne sich selbst vollständig darin zu verlieren. Erst als sie ihr Studium abgeschlossen hatte, bahnte sich ein Drama an, das sie zunächst gar nicht als solches erkannte. Ihr Vater stellte sie als seine Stellvertreterin im Unternehmen ein, machte ihr jedoch schnell deutlich, dass sie sich beweisen musste und die Erwartungen an sie entsprechend hoch waren. Trotz des schlechten Verhältnisses zu ihren Eltern betrachtete Yoona diese Position zunächst als eine Art Vertrauensvorschuss und vielleicht sogar als eine verspätete Anerkennung ihrer Fähigkeiten. Sie wollte glauben, dass ihr Vater ihr diese Chance gab, weil er tatsächlich an sie glaubte. Und Yoona nutzte die Chance. Sie ging in ihrer neuen Position vollkommen auf und begann, das Unternehmen Schritt für Schritt zu modernisieren. Sie wollte Pyon Cosmetics nachhaltiger und zeitgemäßer gestalten, entwickelte innovative Produkte auf Basis natürlicher Inhaltsstoffe und setzte sich für umweltfreundlichere Verpackungen ein. Gleichzeitig führte sie eine neue Marketingstrategie ein, die vor allem auf Social Media und Influencer setzte, um eine jüngere Zielgruppe anzusprechen. Während ihre Eltern jahrelang versucht hatten, das Unternehmen durch Tradition und Kontrolle zu schützen, wollte Yoona es in die Zukunft führen. Zum ersten Mal hatte sie das Gefühl, etwas zu schaffen, das wirklich ihr gehörte. Die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Doch während Yoona beruflich immer erfolgreicher wurde, bahnte sich im Hintergrund ein Skandal an, der das gesamte Unternehmen erschüttern sollte. Ihrem Vater wurde vorgeworfen, für ein neues Kosmetikprodukt Tierversuche durchgeführt zu haben. Es tauchten Dokumente auf, die diese Vorwürfe belegten, und schon bald geriet Pyon Cosmetics massiv unter öffentlichen Druck. Der Ruf des Unternehmens stand auf dem Spiel, und schließlich blieb Minoh nichts anderes übrig, als von seiner Position zurückzutreten, um weiteren Schaden zu verhindern. Dann ernannte er Yoona zur CEO. Er erklärte ihr, dass er sich zurückziehen wolle, gleichzeitig aber weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen würde. Zunächst war Yoona überwältigt. Sie hatte die Position erreicht, auf die sie ihr ganzes Leben vorbereitet worden war, und trotzdem konnte sie sich nicht vollständig darüber freuen. Denn je länger sie darüber nachdachte, desto klarer wurde ihr, dass ihre Ernennung niemals eine spontane Entscheidung gewesen war. Sie war von Anfang an der Backup-Plan ihres Vaters gewesen. All die Jahre, in denen sie gelernt hatte, sich anzupassen. All die Erwartungen, die an sie gestellt worden waren. Die Universität, der Studiengang, ihre Ausbildung und letztendlich ihre Position im Unternehmen – plötzlich ergab alles einen Sinn. Ihr Vater hatte nie wirklich vorgehabt, ihr eine Wahl zu lassen. Er hatte lediglich dafür gesorgt, dass sie für den Moment bereit war, in dem er sie brauchen würde.
Yoona freute sich darüber, Pyon Cosmetics leiten zu dürfen, denn inzwischen war das Unternehmen zu einem Teil von ihr geworden. Gleichzeitig entwickelte sie einen immer größeren Hass auf alles, was sie mit ihrem Vater verband. Sie wollte nicht länger das Produkt seiner Planung sein. Sie wollte beweisen, dass sie nicht nur deshalb erfolgreich war, weil sie seine Tochter war. Doch mit seiner Entscheidung waren nicht alle einverstanden. Und insbesondere einer war fest entschlossen, ihr diese Position wieder zu nehmen. Ihr Onkel.
“In three words I can sum up everything I've learned about life: it goes on.”
Während andere ihren Erfolg feierten, wuchs der Neid ihres Onkels nur noch weiter. Er begann, seine Aufmerksamkeit auf Yoonas jüngere Schwestern zu richten und versuchte, sie gegen ihre große Schwester aufzubringen. Zunächst waren es nur beiläufige Bemerkungen, kleine Zweifel und Fragen, die er ihnen stellte. Nach und nach erzählte er ihnen Dinge, stellte Yoonas Entscheidungen infrage und vermittelte ihnen das Gefühl, dass ihre Schwester sich zunehmend von der Familie entfernte. Das Misstrauen begann zu wachsen. Und es schmerzte Yoona mehr, als sie zugeben wollte. Ihre Schwestern waren immer ihre Zuflucht gewesen. Sie waren die Menschen, mit denen sie aufgewachsen war, die sie trotz aller familiären Schwierigkeiten immer verstanden hatte. Sie hatte geglaubt, dass wenigstens ihre Beziehung zu ihnen von all den Machtspielen ihrer Familie unberührt bleiben würde. Doch nun begann auch dort etwas zu zerbrechen. Das Schlimmste daran war, dass Yoona ihren Erfolg nicht mit ihrer Familie feiern konnte. Statt Stolz und Unterstützung begegneten ihr Ablehnung, Misstrauen und Neid. Selbst in den Momenten, in denen sie eigentlich hätte glücklich sein sollen, fühlte sie sich zunehmend allein. Eines Abends saß sie nach einem besonders langen Arbeitstag allein in ihrem Büro und blickte durch die großen Fenster auf die Lichter der Stadt. Auf ihrem Schreibtisch lagen Verträge, Berichte und die Unterlagen für die nächsten Projekte, während ihr Telefon bereits mehrfach vibriert hatte. Eigentlich hätte sie zufrieden sein müssen. Sie hatte erreicht, worauf sie ihr ganzes Leben vorbereitet worden war. Sie war CEO eines erfolgreichen Unternehmens und hatte gerade bewiesen, dass sie diese Position verdient hatte. Und trotzdem fühlte sie sich leer. Vielleicht war das der Preis dafür, endlich ihr eigenes Leben führen zu wollen. Yoona hatte Macht gewonnen, aber gleichzeitig schien sie die Menschen zu verlieren, deren Anerkennung ihr immer am wichtigsten gewesen war. Sie schloss für einen Moment die Augen und fragte sich, wie ihr Leben wohl verlaufen wäre, wenn sie damals mutiger gewesen wäre. Wenn sie ihrer Mutter widersprochen, ihrem Vater die Stirn geboten oder Minju ihre Gefühle gestanden hätte. Vielleicht wäre alles anders gekommen. Vielleicht aber auch nicht. Die Vergangenheit ließ sich nicht verändern. Also öffnete sie die Augen wieder und griff nach dem nächsten Dokument. Das Leben ging weiter.
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